Skateboard Kultur

Mittlerweile gibt es in fast jeder deutschen Stadt eine Fläche für Skater, die mit einer Halfpipe, einer Miniramp oder anderen Anlagen und Hindernissen ausgestattet ist. Neben solchen Skateparks oder Skatehallen sind Skater aber auch in Innenstädten und auf öffentlichen Plätzen anzutreffen, wo sie Mauern, Rampen, Brunnen, Treppen, Bordsteinkanten und Geländer nutzen, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Und wenn sich viele Skater zu einem Event treffen, sieht das so aus:

Erfunden wurde das Skateboard Ende der 1950er-Jahre im US-amerikanischen Kalifornien, als Surfer die Achsen und die Rollen von herkömmlichen Rollschuhen unter verkleinerte Surfbretter montierten. Dadurch waren sie nicht mehr auf die Wellen angewiesen, sondern konnten über den Beton und Asphalt der Strandpromenaden surfen. Aus diesem Grund wurde das Skateboard früher auch Asphaltsurfer genannt. Das Skateboard ist jedoch nicht nur irgendein Sportgerät. Vielmehr gilt es als Teil einer Kultur und einer Lebenseinstellung. Aber ist das wirklich so?

 

Die Skateboard Kultur

Das Skateboarding ist zwar eine Sportart mit mehreren Disziplinen, zahlreichen Tricks und einem eigenen Jargon, aber trotzdem ist ein Vergleich mit anderen Sportarten kaum möglich. So gibt es lediglich Organisationen, die sich im Rahmen eines weltweiten Netzwerks um die Durchführung von Wettbewerben kümmern. Zu diesen Wettbewerben gehören unter anderem der weltmeisterschaftsähnliche Mastership, die X Games in Kalifornien, der World Cup of Skateboarding, der Club of Skaters in Deutschland und einige weitere regelmäßige Wettbewerbe. In diesem Rahmen existieren auch Ranglisten, in denen internationale Skateboardfahrer vertreten sind. Wirkliche Verbände oder Ligen, die den Sport kommunal, national und international organisieren, gibt es beim Skateboarding allerdings nicht. Ein Grund hierfür liegt sicherlich darin, dass viele Skater das Skateboarding weniger auf den reinen Sport reduzieren, sondern es eher als eine Art Kunst ansehen und mit einer bestimmten Lebenseinstellung in Verbindung bringen. Dies wiederum resultiert ein Stück weit daraus, dass die Wurzeln des Skateboardings eng mit der Mentalität der Surfer und Aussteiger verknüpft sind, die Nutzung des öffentlichen Raums nicht selten zu Konflikten führt und das Skaten viel Kreativität abverlangt. Diese drei Faktoren haben zu einer eigenen Kultur geführt, die neben dem Skateboarding als solches auch einen bestimmten Kleidungsstil, gewisse Musikrichtungen, eine eigene Sprache und bildende Künste wie Graffiti, Grafikdesign und Fotografie umfasst.

 

Das Skateboarding als Lebenseinstellung

Obwohl sich das Skateboarding längst als Wettkampfsport etabliert hat, wird es nach wie vor immer wieder den Freizeit- und Trendsportarten zugeordnet. Diese Zuordnung mag auf den ersten Blick auch durchaus schlüssig erscheinen, denn beim Skateboarding handelt es sich um einen Sport, der vorwiegend von Jugendlichen ausgeübt wird, keine starren Organisationsstrukturen aufweist und sich durch ein hohes Maß an Offenheit kennzeichnet. Offenheit meint in diesem Fall die Möglichkeit, den Sport an der Stelle und in der Form auszuüben, wie der Skater dies möchte. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch schnell deutlich, dass das Skateboarding keine kurzlebige Modeerscheinung ist, sondern seit mittlerweile mehreren Jahrzehnten existiert. Zudem erfordert es viel Übung, Geschicklichkeit und auch Mut, bis die Tricks sicher sitzen. Im Unterschied dazu kennzeichnen sich Trend- und reine Freizeitsportarten in aller Regel dadurch, dass sie schnell und einfach zu lernen sind. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass das Skateboarding einige gut bezahlte Profis, Idole und international bekannte Größen hervorgebracht hat.

Trotzdem scheint es so, als wären der Mythos von Freiheit und Jugendlichkeit, die viel zitierte Lebenseinstellung, der Style und das Dazugehören zur Skater-Szene etwas, das eher Außenstehende mit dem Skateboarding in Verbindung bringen. Echten, eingefleischten Skatern hingegen ist wichtiger, sich damit zu beschäftigen, wie sie ihre Techniken perfektionieren, Sprünge noch spektakulärer und Tricks noch exakter ausführen können. Wettbewerbe, Skateparks, Innenstädte und andere Gelände sind für sie letztlich nichts anderes als Möglichkeiten, um ihr Können zu präsentieren und ihrem Hobby nachzugehen. Vielleicht ist es aber genau das, was die Skateboard Kultur ausmacht und die Lebenseinstellung am besten beschreibt, nämlich etwas mit Leidenschaft und Begeisterung nachzugehen.